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Aktien – eine sichere Geldanlage?

Bulle und BärWenn hierzulande die Begriffe Aktie oder Börse fallen, denken viele konservative Anleger an zockende Banker, Blasenbildung und den Crash des Neuen Marktes. Tatsächlich ist es vor allem Letzterer, der das Image der Aktie hierzulande nachhaltigbeschädigt hat. Zu präsent sind noch die Verluste, die viele Privatanleger mit der Deutschen Telekom und ganz allgemein mit dem Platzen der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende erlitten haben.

Das Börseninvestment gilt im Volksmund dementsprechend als extrem risikobehaftet und für vorsichtige Anleger völlig ungeeignet. In der Folge verwundert es auch wenig, dass die Anzahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer von 12,9 Millionen im Jahr 2001 auf 8,3 Millionen im Jahr 2010 abgestürzt ist (2015: 9,0 Mill.). Das entspricht einer Quote von nur 14 Prozent der Gesamtbevölkerung ab 14 Jahren. Gerade im Vergleich zu traditionellen Börsennationen wie England oder Schweden, mit annähernd 25 Prozent Aktionärsquote, ist Deutschland damit ein Entwicklungsland.

Die Aktienmärkte rentieren grundsätzlich positiv

Die Scheu vor dem Aktieninvestment ist dabei durchaus verständlich, denn die täglichen Kursschwankungen auf dem Parkett in Frankfurt oder an der Wallstreet können die Psyche enorm belasten. Die Folge sind emotionale Überreaktionen, die zu irrationalen Kaufs- und Verkaufsentscheidungen führen. Wer also ohne klare Strategie auf jeden Börsenhype aufspringt und in jeder Baisse gleich kalte Füße bekommt, für den ist das Aktieninvestment tatsächlich sehr risikobehaftet.

Ausgeblendet wird dabei die Tatsache, dass eine Aktie ein langfristiges Investment in die Realwirtschaft ist, die historisch betrachtet über alle Krisen hinweg positiv rentiert. Seit seiner Auflage im Jahr 1988 erlebte der deutsche Leitindex DAX 30 gleich mehrere schwere Krisen, wie die Russlandkrise (1998), die Dotcom-Blase (2000), die Finanzkrise (2008) und die Euroschuldenkrise (2011), in denen der Index Kursverluste von bis zu 70 Prozent verbuchte. Wer aber nicht in Panik verfiel und stattdessen seiner Aktienstrategie treu blieb, profitierte jeweils von einer Markterholung und weiteren Kurssteigerungen.

Wer einen langen Atem hat, gewinnt

Der Faktor Zeit spielt beim Aktieninvestment offensichtlicherweise eine entscheidende Rolle, denn unterteilt man den historischen DAX-Verlauf in 20-Jahreszeiträume, ergibt sich eine durchweg positive jährliche Rendite von 6 bis 15 Prozent. Im Durchschnitt entspricht dies einer Rendite von gut 9 Prozent pro Jahr, womit das Aktieninvestment langfristig betrachtet jede Anleihe, jedes Festgeldkonto und auch jede Lebensversicherung schlägt. Interessant ist vor allem der Fakt, dass sich bei einem mindestens 14 Jahre andauernden Anlagezeitraum immer eine positive Rendite ergab. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel, was insbesondere leidgeprüfte Telekom-Aktionäre wissen dürften, deren Anteilsscheine noch immer unter dem historischen Ausgabekurs rangieren. Der Schlüssel zu dieser Rendite liegt also nicht per se darin, einfach beliebige Aktien zu kaufen und diese stoisch im Portfolio zu halten. Da einzelne Unternehmen natürlich pleitegehen oder in einer Hausse überbewertet werden können, greift an dieser Stelle die grundlegendste aller Börsenweisheiten: Legen Sie nicht alle Eier in einen Korb.

Nicht alle Eier in einen Korb legen

Grundsätzlich bedeutet Risikostreuung also, in viele verschiedene Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen und Ländern zu investieren, da partielle Kursverluste oder sogar Pleiten damit deutlich besser kompensiert werden können. Wer hingegen aus emotionaler Nähe nur in eine Hand voll Unternehmen investiert, die im schlimmsten Fall auch noch aus derselben Branche stammen, muss mit einem erhöhten Klumpenrisiko rechnen. Ein langfristig positiv rentierendes Aktienportfolio sollte daher primär die stärksten Unternehmen aus jeweils unterschiedlichen Branchen enthalten. Spekulative Investments in hoffnungsvolle Unternehmen, sollten hingegen nur dosiert getätigt werden. Die Problematik der richtigen Einstiegskurse lässt sich damit allerdings noch nicht lösen – wenngleich an dieser Stelle angemerkt werden sollte, dass die Frage des richtigen Einstiegszeitpunkts rational nicht abschließend geklärt werden kann.

Ignorieren Sie Kurspropheten

Wenn Sie langfristig in Aktien anlegen, sollten Sie sich von Kurspropheten fernhalten, die Ihnen diesen oder jenen Zeitpunkt für den Ein- oder Ausstieg nahelegen. Warum, fragen Sie sich? Ganz einfach, die Börse wird sowohl von kurzfristigem Denken als auch von der Psychologie beherrscht. Dies fördert im Umkehrschluss die bereits angesprochenen irrationalen Kaufs- und Verkaufsentscheidungen und wirkt sich damit negativ auf Ihre Rendite aus. Seien Sie sich daher bewusst, dass niemand den Kursverlauf einer Aktie verlässlich vorhersagen kann und, dass es damit auch keinen idealen Einstiegskurs gibt, auf den es zu warten gilt. Unter dem Strich empfiehlt es sich also, nicht gleich alle flüssigen Mittel unmittelbar zu investieren. Alternativ sollten Aktienpositionen tranchenweise im Abstand von mehreren Monaten aufgebaut werden (z.B. über Sparpläne), um die Einstiegskurse damit durch den sogenannten Cost-Average-Effekt zu optimieren.

Sparpläne ermöglichen Aktieninvestment für jedermann

Wer sich für die Anlageklasse Aktien entscheidet, kann diese auch in Form eines Aktiensparplanes erwerben. Vorteil hierbei ist, dass dabei regelmäßig feste Beträge in Aktien investiert werden. Dabei wird auch das Problem des falschen oder ungünstigen Einstiegszeitpunktes minimiert (Cost-Average-Effekt) >> weitere Infos zum Aktiensparplan

Wer sich dabei nicht selbst um die Unternehmensanalyse und die Transaktionen kümmern möchte, kann durch das Investment in börsengehandelten Indexfonds (ETFs – erläutern wir hier) auch passiv an der langfristigen Aktienrendite partizipieren. Der Vorteil dieser kostengünstigen Indexfonds liegt darin, dass sie ganze Märkte abbilden und durch diese innere Diversifizierung deutlich weniger volatil sind. Dank Aktien- und ETF-Sparplänen kann auch mit der weit verbreiteten Mär aufgeräumt werden, dass zwingend größere Summen investiert werden müssen. Ganz im Gegenteil ermöglichen viele Banken bereits mit Sparraten von 25 bis 50 Euro monatlich die Investitionen in den Aktienmarkt. Das Aktieninvestment ist damit nicht nur für Gutverdiener lukrativ, sondern bereits für Kleinsparer und sogar für Studenten problemlos umsetzbar.

Die Dividende ist der neue Zins

Ein weiterer Aspekt, der in puncto Aktieninvestment immer wieder unter den Tisch fällt, ist die Dividendenrendite, deren Vorhandensein immer wieder von der medialen Konzentration auf den Kursverlauf zur Nebensächlichkeit degradiert wird. Gerade im Niedrigzinsumfeld avanciert die Dividende aber zumindest mittelfristig zum neuen Zins, der gerade für langfristig orientierte Anleger interessant ist. Dividendenrenditen historisch erfolgreicher Unternehmen wie Coca Cola, Siemens oder Procter & Gamble wachsen dabei sogar parallel zum Kurs. Wichtig für den nachhaltigen Vermögensaufbau ist dabei die Reinvestition dieser Gewinnbeteiligungen, sodass mit dem Zinseszins der mächtigste Mechanismus der Finanzmärkte ins Rollen kommen kann. Auch im Hinblick auf die Absicherung der Rente ist die Dividende ein nicht zu unterschätzender Baustein, da ein ausreichend großes Portfolio genügend passives Einkommen generiert, um die spärlichen staatlichen Bezüge erheblich aufzubessern.

Fazit

Dass die Investition in Aktien und Aktienfonds auch vor dem Hintergrund der Rentenproblematik immer mehr ins Bewusstsein der Bürger rückt, belegen die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Im Jahr 2015 erreichte die Anzahl der Aktien- und Aktienfondsbesitzer erstmals wieder die Marke von 9 Millionen und durchbrach damit den lange Jahre anhaltenden Negativtrend. Die Zeichen stehen also gut, dass ein gesamtgesellschaftliches Umdenken stattfindet und Aktien damit auch hierzulande zu einem integralen Bestandteil der Altersvorsorge werden. Vertrauen Sie auf den alten Kostolany der schon vor Jahrzehnten sagte: “Investieren Sie in starke Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an. Nach vielen Jahren werden Sie sehen: Sie sind reich.”