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Anleihen: mehr Risiko, weniger Zinsen

Das Tripple A einer Rating Agentur. AAANoch vor wenigen Jahren galten Anleihen als eine Anlageform, mit der Investoren eine attraktive Verzinsung bei vergleichsweise geringem Risiko erzielen konnten. Dies traf jedenfalls dann zu, wenn es sich um Papiere von Emittenten höchster Bonität handelte, – wie zum Beispiel Staatsanleihen der führenden Industrieländer Europas und Nordamerikas.

Doch inzwischen hat sich das Bild grundlegend geändert. Das Angebot an Anleihen mit Top-Ratings ist deutlich geschrumpft, und die Zinsen sind in diesem Segment oft schon so niedrig, dass Anleger damit nach Abzug der Inflationsrage sogar Verluste einfahren. Wer das vermeiden will, muss heute an den Rentenmärkten zwangsläufig höhere Risiken akzeptieren.

60 Prozent weniger Anleihen mit Top-Rating

In welchem Ausmaß sich die Zahl der top-gerateten Anleihen reduziert hat, zeigt eine Analyse der “Financial Times”. Demnach hat sich das Volumen dieser Wertpapiere seit dem Jahr der Finanzkrise 2008 global um 60 Prozent verringert. Grund dafür sind vor allem die Herabstufungen der USA, Großbritanniens sowie Frankreichs durch die führenden Rating-Agenturen. Hatte sich das Volumen der von den drei Agenturen Fitch, Moody’s und Standard & Poor’s mit AAA bewerteten Anleihen im Jahr 2007 noch auf 11 Billionen US-Dollar belaufen, so sind es inzwischen nicht mehr als 4 Billionen US-Dollar. Den Herabstufungen führender Industrieländer stehen jedoch auch Rating-Anhebungen in anderen Regionen der Welt gegenüber. Rating-Verbesserungen gab es beispielsweise bei einigen lateinamerikanischen Staaten wie Bolivien, Brasilien und Uruguay.

Deutschland: begehrte Anleihen – aber zu Mini-Zinsen

Eine gewisse Ausnahmestellung innerhalb Europas nimmt derzeit Deutschland ein, das nach wie vor von sämtlichen großen Ratingagenturen mit der Bestnote bewertet wird. Infolgedessen sind Bundesanleihen bei Investoren zurzeit sehr begehrt, zum einen, weil sie als überdurchschnittlich sicher beurteilt werden, zum anderen aber auch, weil bestimmte Investoren aufgrund der für sie geltenden Regulairen zu Investitionen in Triple-A-Anleihen verpflichtet sind. Allerdings werden Bundesanleihen aktuell so gering verzinst wie nie zuvor. Damit kann sich die Bundesrepublik Deutschland an den internationalen Finanzmärkten so günstig Geld leihen, wie dies für Staaten nur selten möglich ist.

Höhere Risikobereitschaft gefragt

Für Investoren die Geld anlegen möchten, bedeutet dies, dass die Kurse der Bundesanleihen sich erhöhen, während die Renditen zurückgehen. Bei zehnjährigen Bundesanleihen ist mittlerweile mit nur noch 1,24 Prozent ein historisches Rendite-Tief erreicht. Anleger erzielen damit nicht einmal mehr so viel Rendite, wie sie bräuchten, um die Inflationsrate auszugleichen. Per Saldo bedeutet dies also einen Vermögensverlust – trotz einer als sehr sicher geltenden Anlage. Im Unterschied dazu waren zehnjährige Bundesanleihen im Jahr 2000 noch mit rund fünf Prozent verzinst worden. Wer heute auch nur eine annähernd vergleichbare Verzinsung mit Anleihen erzielen will, muss dafür deutlich höhere Risiken eingehen, beispielsweise durch Kauf von Staatsanleihen aus Schwellenländern oder durch Investitionen in Unternehmensanleihen. Dass diese höheren Risiken keineswegs nur theoretischer Natur sind, zeigen aktuell beispielsweise die hohen Verluste, die Anlegern bei den Anleihen der WGF drohen.

Renditen von 10 Jährigen Staatsanleihen und S&P-Ratings im Vergleich

LandRenditeS&P Rating
Japan0,46%AA-
USA1,77%AA+
China3,52%AA-
Deutschland1,24%AAA
Frankreich1,88%AA+
Großbritannien1,71%AAA
Brasilien9,90%BBB
Italien4,485%BBB+
Russland7,01%BBB
Kanada1,79%AAA
Australien3,35%AAA
Schweiz1,09%AAA
Spanien4,90%BBB-

*Stand: 05.04.2013