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Banken in Deutschland verzweifelt – zu viel Geld

Deutsche Bank in FrankfurtAuch in den Zeiten der extrem niedrigen Zinsen werden die Banken in Deutschland vom Geld der Sparer überschwemmt. Vor allem wachsen dabei Sicht- und Spareinlagen. Die Freude der Banker über diesen Geldfluss hält sich in Grenzen. Warum fließen immer noch Milliarden Euro in die Sichteinlagen? Wieso sind diese für die Banken ein zu teures Geschäft? Was sind die möglichen Alternativen?

Niedrigzinspolitik der EZB macht den Banken zu schaffen

Die Europäische Zentralbank senkt seit geraumer Zeit den Leitzins. Diese Politik ist ein Versuch, die schwächelnde Konjunktur anzukurbeln. Für die Banken bedeutet diese Situation sinkende Gewinnmargen.

Normalerweise investieren die Banken das ihnen anvertraute Geld der Sparer entweder in Staatsanleihen oder nutzen es für die Kreditvergabe. Aktuell sind aber die Zinsen bei den Anleihen so niedrig, dass diese Investitionen sich für die Banken nicht wie gewohnt lohnen. Andererseits läuft das Kreditgeschäft trotz der minimalen Zinsen ebenfalls nur schleppend. Die Ursache: Mangelnde Risikobereitschaft der Sparer. Die allgemein unsichere Wirtschaftslage spielt dabei die entscheidende Rolle. Aus Angst vor der Verschlechterung der eigenen Situation (Arbeitslosigkeit oder andere Umstände) zögern die Bürger bei der Kreditaufnahme.

In der gegenwärtigen Situation kommen Banken über den Interbankenmarkt günstiger an Geld, als durch die Aufnahme von Einlagen. Somit sind die Spareinlagen für die Banken trotz Minizinsen sogar immer noch relativ teuer.

Deutsche Sparer – auf Nummer sicher gehen

Innerhalb der letzten fünf Jahre wuchsen die Sichteinlagen überdurchschnittlich schnell und haben sich beinahe verdoppelt. Aktuell betragen die Sichteinlagen der Kleinsparer in den deutschen Banken ca. 935 Mrd. Euro, Tendenz weiterhin steigend. Das Gesamtvolumen von Sicht- und Spareinlagen in den Kreditinstituten beläuft sich heute auf rund 3,3 Billionen Euro. Das massive Wachstum der Sichteinlagen bedeutet – die Deutschen möchten ihr Geld möglichst sicher anlegen. Sichteinlagen heißt nämlich, dass die Sparer zu jeder Zeit Zugriff auf ihr Geld haben.

Fehlende Risikobereitschaft ist ein Verlustgeschäft

Die Risikofreiheit der Sichteinlagen ist leider nur ein Schein. Der Grund: So lange die anfallenden Zinsen beim Sparkonto unter der Inflationsrate liegen, so lange verliert der Sparer sein Geld.

Eine Alternative zum traditionellen Sparen könnten Aktien sein. Das Problem – die Erinnerungen an die Krise des Neuen Marktes um die Jahrtausendwende sind bei den meisten Sparern noch zu frisch (z.B. die als “Volksaktie” gepriesene Deutsche Telekom). Damals mussten sehr viele Anleger schmerzhafte Verluste einfahren.

Zu einem Risiko sind die Deutschen offensichtlich (immer) noch nicht bereit. Nur rund 15% der Bevölkerung ist aktuell im Besitz von Aktien – nach der Einschätzung von Wirtschaftsexperten viel zu wenig. Einen weiteren Grund dafür sehen die Fachleute in dem relativ sicheren und großzügigen deutschen Rentensystem. Die Bereitschaft, für den Lebensabend mit dem Aktiengeschäft zusätzlich vorzusorgen, bleibt daher gering.

Eine Entwarnung gibt es zunächst nicht – die Zinsen werden voraussichtlich in den nächsten Jahren nicht steigen. Für die deutschen Banken bleibt zu hoffen, dass die Risikobereitschaft der Sparer steigt. Entweder durch Investitionen in Aktien oder über einen stärkeren kreditfinanzierten Konsum.