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Finanzagentur stellt das Geschäft mit Privatkunden ein

Der Vertrieb von Produkten für Privatanleger soll zum Jahresende 2012 eingestellt werden. Dies betrifft Einzelschuldbuchkonten, Finanzierungsschätze und Tagesanleihen. Wir stellen die Änderungen im Einzelnen vor.

 

Bundesschatzbriefe, von vielen Anlegern liebevoll als “Bundesschätzchen” bezeichnet, aber auch Finanzierungsschätze, Bundesobligationen und andere Bundeswertpapiere gehören für viele Privatanleger zum 1×1 der Geldanlage. Tausende von ihnen unterhielten in den vergangenen Jahrzehnten entsprechende Einzelschuldbuchkonten bei der Finanzagentur des Bundes, der früheren Bundesschuldenverwaltung. Allerdings hatten geringe Zinsen das Interesse zuletzt deutlich zurückgehen lassen.

Nun steht eine fundamentale Veränderung ins Haus. Anfang Juli 2012 gab die Finanzagentur bekannt, nach einer entsprechenden Entscheidung des Bundesministeriums der Finanzen werde das Privatkundengeschäft mit Bundeswertpapieren zu den aktuellen Bedingungen nicht fortgesetzt. Der Vertrieb von Produkten für Privatanleger soll zum Jahresende 2012 eingestellt werden. Begründet wird die Entscheidung mit dem Bestreben, die Kreditaufnahme des Bundes möglichst kostengünstig zu gestalten.

Keine reinen Privatkundenprodukte mehr

Reine Privatkundenprodukte werden generell abgeschafft. Somit werden ab Ende 2012 keine neuen Bundesschatzbrief-Serien mehr aufgelegt; außerdem wird es von diesem Zeitpunkt an auch keine neuen Ausgaben von Finanzierungsschätzen des Bundes geben. Auch werden Neukunden nicht mehr die Tagesanleihe kaufen können. Mit der Serie 163 wird es zudem zum letzten Mal möglich sein, Bundesobligationen der zuletzt an der Börse eingeführten Serie gebührenfrei zu erwerben.

Erwerb von Bundeswertpapieren und Depotführung künftig nur noch bei Banken

Andere Wertpapiere des Bundes wird es jedoch auch weiterhin geben, und sie können auch künftig von Privatanlagern erworben werden. Allerdings müssen der Erwerb und die Verwahrung im Depot dann bei der Hausbank oder einem anderen Kreditinstitut erfolgen. Dies betrifft Bundesanleihen, Bundesobligationen sowie Bundesschatzanweisungen. Ab Januar 2013 wird es nicht mehr möglich sein, sein Depot bei der Finanzagentur führen zu lassen oder ein neues Einzelschuldbuchkonto zu eröffnen. Auch die Möglichkeit, neu emittierte Wertpapiere des Bundes in ein Einzelschuldbuchkonto zu übertragen, wird Privatanlegern dann nicht mehr zur Verfügung stehen.

Bestehende Konten werden vorerst weitergeführt

Wer bislang ein Einzelschuldbuchkonto hatte, muss jedoch zunächst nichts weiter veranlassen. Denn alle derzeit bestehenden Konten werden von der Finanzagentur noch so lange weitergeführt, bis die darin verwalteten Bundeswertpapiere fällig werden. Danach müssen sich allerdings auch die aktuellen Bestandskunden der Finanzagentur um eine Alternative bemühen, wenn sie weiterhin in Bundeswertpapiere investieren möchten.

Für viele Privatkunden mag die Abschaffung der lieb gewonnenen “Bundesschätzchen” eine Enttäuschung bedeuten, doch die weiterhin bestehenden Möglichkeiten zum Erwerb von Bundeswertpapieren dürften den Verlust leichter verschmerzen lassen.
Viele Anleger unterhalten ohnehin bereits ein Wertpapierdepot bei ihrer Hausbank oder bei einem Onlinebroker, sodass sie für künftige Geschäfte mit Bundeswertpapieren gar kein neues Konto beziehungsweise Depot einrichten müssen.

Bildquelle: Günther Schild – Finanzagentur GmbH