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Hohe Zinsen – nicht ohne hohe Risiken

Hohe Zinsen - hohes RisikoViele Fest- oder Tagesgeldanlagen bescheren Anlegern aktuell reale Vermögensverluste, weil die Verzinsung zum Teil deutlich unterhalb der Inflationsrate liegt. So verwundert es nicht, dass Angebote mit Festgeldzinsen von fast drei Prozent sich der Aufmerksamkeit potenzieller Kunden sicher sein dürfen. Diese Angebote gibt es tatsächlich, und sie werden beispielsweise von bulgarischen, russischen oder türkischen Banken offensiv im Internet beworben. So bietet beispielsweise die in Sofia ansässige bulgarische First Investment Bank (Fibank) ihren Kunden bei einer Mindestanlage von 10.000 Euro mit zwölfmonatiger Laufzeit aktuell einen Zinssatz von 2,9 Prozent. Damit liegt das Angebot um rund zwei volle Prozentpunkte über dem aktuellen Durchschnittswert der meisten deutschen Banken.

Überdurchschnittlich – auch bei den Risiken

Andere ausländische Anbieter offerieren ebenfalls deutlich höhere Zinsen. Die türkische Deniz Bank bietet für 10.000 Euro Festgeld auf ein Jahr 1,6 Prozent Zinsen; für Tagesgeld gibt es ein Neukundenangebot mit einer Verzinsung von 1,2 Prozent. Bei der österreichischen Niederlassung der Santander Bank gibt es 1,40 Prozent p.a. und bei der estnischen Big Bank sind es für eine vergleichbare Festgeldanlage immerhin noch 1,05 Prozent. Doch so attraktiv diese Zinssätze auf den ersten Blick auch wirken mögen – Anleger sollten sich in jedem Fall darüber im Klaren sein, dass überdurchschnittliche Zinsen in den allermeisten Fällen nicht ohne überdurchschnittliche Risiken zu bekommen sind.

Auf Details der Einlagensicherung achten

Im Falle der genannten – und zahlreicher ähnlicher – Fest- und Tagesgeldangebote werden die Risiken oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. So wird beispielsweise gern auf die Einlagensicherung verwiesen. Doch gerade hierbei gibt es erhebliche Unterschiede. Im Falle Bulgariens besteht beispielsweise zwar eine Absicherung von Beträgen bis zu 100.000 Euro durch die bulgarische Einlagensicherung, doch im Ernstfall müssten Anleger nach Einschätzung deutscher Verbraucherschützer ihre Ansprüche möglicherweise sogar auf Bulgarisch anmelden. Zudem erhielten sie ihre Rückzahlung nicht in Euro, sondern in bulgarischen Lew. Basis wäre der offizielle Wechselkurs der bulgarischen Nationalbank zu einem durch die bulgarische Einlagensicherung bestimmten Stichtag.

Ratingnoten geben Anhaltspunkte für die Entscheidung

Über derartige Details und die daraus resultierenden Risiken dürften sich viele Anleger wohl nicht im Klaren sein. Deshalb sollten sie bei besonders attraktiv verzinsten Anlagen umso genauer hinsehen, wie ihre Einlage im Falle von Liquiditätsproblemen der betreffenden Bank tatsächlich abgesichert ist und wie die Absicherung im Bedarfsfall konkret umgesetzt werden würde. Einen wichtigen Anhaltspunkt in diesem Zusammenhang bieten Ratings renommierter Ratingagenturen. Liegt kein solches Rating vor, ist ohnehin Vorsicht geboten. Doch auch wenn ein Rating vergeben wurde, lohnt ein Blick auf die Details. So ist beispielsweise die Ratingnote “B”, mit der die Agentur Fitch das Ausfallrisiko bei der Fibank bewertet, eben nicht die zweitbeste Note nach “A”. Vielmehr ordnet Fitch die Bank mit einem kurzfristigen “B”-Rating und einem langfristigen “BB-“-Rating eindeutig dem spekulativen Bereich zu. Verschlechtert sich die Lage, muss mit einem Ausfall der Bank gerechnet werden – so lautet die richtige Interpretation einer solchen Ratingnote. Mit einem “Baa3”-Rating von Moody’s und einem “BBB-“-Rating von Fitch ist auch die Sberbank, die als Konzernmutter im Ernstfall für die Denizbank einstehen müsste, hinsichtlich des Ausfallrisikos keineswegs mit den meisten deutschen Banken zu vergleichen.

Strategien konservativer Institutioneller als Orientierung für Privatanleger

Bei ihren eigenen Anlageentscheidungen können sich Privatanleger durchaus an denen professioneller Investoren mit vergleichbarem Risikoprofil orientieren. Wer bereit ist, ein hohes Risiko einzugehen, kann durchaus höhere Zinsen erwirtschaften – aber eben auch höhere Verluste. Das gilt für Fest- und Tagesgelder ebenso wie für Genussrechte oder Unternehmensanleihen. Wer dagegen auf Sicherheit setzt, sollte konservativer investieren. Für konservative institutionelle Investoren wie Lebensversicherer oder Pensionskassen kommen beispielsweise von Ratingagenturen als spekulativ eingestufte Anleihen in der Regel nicht infrage.

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