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Erstmals negative Rendite bei deutschen Staatsanleihen

Anfang Januar 2012 rieben sich nicht wenige Akteure an den Finanzmärkten verwundert die Augen, denn es klang schier unglaublich, was da über die Nachrichtenticker lief: Investoren, die der Bundesrepublik Deutschland Geld liehen, zahlten dafür, statt Geld zu erhalten. Sie erzielten also eine negative Rendite!

Was auf den ersten Blick erstaunlich und unglaubwürdig klingt, hat dennoch seine ökonomische Logik. Denn angesichts der großen Verunsicherung an den Finanzmärkten aufgrund der Schuldenkrise ist es manch einem Investor offenbar wichtiger, sein Geld nach einer bestimmten Zeit möglichst vollständig wieder zurückzubekommen, als der Aussicht auf eine bestimmte Rendite zu vertrauen.

Das “Handelsblatt” zitierte dazu einen Experten von UniCredit mit der Aussage, im derzeitigen unsicheren Umfeld sei “return of money” wichtiger als “return on money”. Der Vorteil der Bundeswertpapiere bestehe darin, dass Investoren sie jederzeit wieder an der Börse verkaufen könnten und bei steigenden Renditen doch noch einen gewissen Gewinn erzielen würden. Einer Analystin von ING zufolge sei Deutschland momentan der sicherste Platz innerhalb der Euro-Zone, weshalb Geld hier geparkt werde.

Eine ähnliche Situation hatte es im Dezember 2011 schon einmal in Dänemark gegeben, wo zwei Geldmarkt-Auktionen ebenfalls zu negativen Renditen führten. Und auch die Wertschätzung der Investoren für deutsche Geldmarktpapiere hatte sich bereits im Dezember abgezeichnet, denn damals hatte Deutschland sie zu einem Zins von lediglich 0,001 Prozent am Markt platzieren können. Auch bei der jüngsten Auktion von Bundesanleihen mit 6-monatiger Laufzeit war die Nachfrage größer als das Angebot, so dass die Papiere mit einem Gesamtwert von 3,9 Milliarden Euro problemlos untergebracht werden konnten. Die von Investoren abgegebenen Angebote hatten sich sogar auf sieben Milliarden Euro summiert.

Die Tatsache, dass der deutsche Staat sogar mit negativen Emissionsrenditen noch Investoren gewinnen kann, drückt die negative Erwartungshaltung der Marktteilnehmer aus. Sie rechnen offenbar mit einer weiteren Zuspitzung der Schuldenkrise in Europa während der nächsten sechs Monate. Vor diesem Hintergrund könnten noch mehr Investoren sich von riskanteren Anlagen verabschieden und stattdessen auf Bundesanleihen setzen, was wiederum deren Börsenkurse steigen lassen würde. Ein weiteres Indiz für das geringe Vertrauen und die hohe Unsicherheit an den Kapitalmärkten ist übrigens der jüngst erreichte Rekordstand der Übernachteinlagen von Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von 463,6 Milliarden Euro.