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Offene Immobilienfonds vor dem Aus

Um eine neue EU-Richtlinie umzusetzen, plant das Bundesfinanzministerium ein Verbot offener Immobilienfonds. Das Verbot soll allerdings nicht für geschlossene bzw. zur Zeit noch bestehende offene Fonds gelten. Für Anleger in diesen Bereichen ändert sich mit der neuen Vorlage aus Berlin nichts.

Pleiten bei offenen Immobilienfonds

Lange Zeit galten sie als unkomplizierte und sichere Geldanlagen. Zuletzt aber sind die offenen Immobilienfonds ins Gerede gekommen, nachdem zwei der größten, die SEB Immoinvest und CS Euroreal der Credit Suisse mit jeweils mehr als 6 Milliarden Euro Einlagen in die Abwicklung gehen mussten. Beide Fonds waren seit 2010 eingefroren, wurden im Mai für einen Stichtag geöffnet, was aber nicht die gewünschten Ergebnisse brachte.

Die Situation in Deutschland

Zur Zeit gibt es in Deutschland noch 35 offene Fonds mit einem Gesamtkapital von 84 Milliarden Euro. Fünf von ihnen sind eingefroren, insgesamt neun werden aufgelöst. Offene Immobilienfonds sind grundsätzlich eine gute Möglichkeit für Privatanleger, auch geringe Geldmengen kurzfristig zu investieren. Problematisch wird es, wenn zu viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile verkaufen wollen. Das bedeutet, dass der Fonds in kurzer Zeit Immobilien veräußern muss, um den Kapitalbedarf zu decken. Bei großen Objekten ist das fast unmöglich bzw. nur mit großen Wertverlusten machbar. Kann der Fonds die angeforderten Anteile nicht auszahlen, wird er eingefroren – so geschehen bei SEB Immoinvest und CS Euroreal – muss aber laut Gesetz nach zwei Jahren wieder geöffnet werden.

Was bringt das neue Gesetz?

Die von der EU vorgegebene AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Funds Managers) reguliert Investmentformen wie Hedgefonds, gilt in Deutschland aber auch für geschlossene Fonds und offene Immobilienfonds. Der entsprechende Gesetzentwurf aus dem Finanzministerium sieht vor, dass Immobilienfonds nur noch als geschlossene aufgelegt werden dürfen. Anleger können dann pro Jahr nur noch zweimal Anteile in Höhe von 30.000 Euro zurückgeben. Für Neuanleger gelten darüber hinaus Wartefristen von zwei Jahren bei höheren Rückzahlungsforderungen sowie eine einjährige Kündigungsfrist. Bisher liegt das Gesetz nur als Diskussionspapier vor. Experten gehen davon aus, dass es noch einige Änderungen im Bundestag durchlaufen wird, bevor es Mitte nächsten Jahres in Kraft tritt.

Wie geht es weiter?

Wer sein Geld zur Zeit in offenen Immobilienfonds angelegt hat, muss nichts weiter unternehmen. Bei den bestehenden Fonds ändert sich durch die Gesetzesvorlage nichts. Befürworter dieser Geldanlage halten die Ungleichbehandlung alter und neuer offener Fonds allerdings für ein Absurdum. Was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, rechnen Experten mit einem weiteren Schrumpfen des Marktes sowie der – wegen zur Zeit niedriger Zinsen – zu erzielenden Renditen.

Bildquelle: Flickr by Gabludlow