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Sparverhalten der Deutschen: Liquidität und Sachwerte stehen hoch im Kurs

“Flüssig bleiben und Sachwerte kaufen”, – das sind die beiden großen Trends, die zurzeit das Sparverhalten der Deutschen prägen. Laut einer vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) Ende November 2012 veröffentlichten Studie sind die Einlagen der privaten Haushalte bei inländischen Banken in der Zeit von Oktober 2011 bis September 2012 um insgesamt rund 84,4 Milliarden Euro gestiegen. Der größte Teil davon entfiel auf Sichteinlagen. Das Gesamtvolumen der im zweiten Halbjahr 2011 und im ersten Halbjahr 2012 in Finanzanlagen investierten Mittel belief sich nach Informationen der Bundesbank auf rund 154 Milliarden Euro.

Starke Nachfrage nach Immobilien

Neben liquiden Anlagen setzen die deutschen Privatanleger derzeit auch in großem Umfang auf Realwerte. Besonders an den Immobilienmärkten macht sich dieser Trend deutlich bemerkbar. Im Jahr 2011 beliefen sich die Nettoinvestitionen privater Haushalte auf 49,6 Milliarden Euro, wovon etwa 90 Prozent in den Erwerb von Bestandsimmobilien oder in Neubauten flossen. Volkswirte rechnen damit, dass die Investitionen in Wohnimmobilien 2012 noch höher ausfallen werden. Dazu tragen nicht nur die bei vielen Anlegern verbreiteten Inflationsängste bei, sondern auch die derzeit extrem niedrigen Finanzierungskosten. So wurde laut BVR im September 2012 bei der Wohnimmobilienfinanzierung mit einem Zinssatz von drei Prozent im Neugeschäft ein historischer Tiefststand erreicht.

Scheu vor Wertpapieren könnte Rendite belasten

Parallel zu den steigenden Volumina der liquiden Anlagen und der Immobilienkäufe ziehen sich die deutschen Privatanleger immer mehr von den Wertpapiermärkten zurück. Insgesamt überwiegen bei Wertpapieranlagen die Verkäufe gegenüber den Neuanlagen. Dies betrifft insbesondere den Erwerb von Anteilen an Investmentfonds sowie von festverzinslichen Wertpapieren. Beim Direkterwerb von Aktien dagegen kommt es laut BVR seit 2009 zu moderaten Mittelzuflüssen. Generell sei das aktuelle Anlageverhalten der Privathaushalte nachvollziehbar, so die Einschätzung der Volkswirte des BVR. Zum einen sei das Umfeld von den extremen Niedrigzinsen geprägt, und zum anderen sorgten sich viele Anleger wegen der längerfristigen Perspektiven der Inflationsentwicklung. Allerdings gehe die Ausweitung der bei Banken gehaltenen Sichtguthaben bei gleichzeitiger Scheu vor Anlagen in Wertpapieren über das fundamental gerechtfertigte Maß hinaus. Dies bedeutet faktisch, dass Anleger mit diesem Sparverhalten möglicherweise Renditechancen verschenken und die Gesamtperformance ihres Portfolios hinter den theoretischen Möglichkeiten zurückbleibt.

Beimischungen zur Renditestärkung sinnvoll

Als Möglichkeit, die Rendite auf das Geldvermögen zu stärken, ohne dabei unvertretbar hohe Risiken einzugehen, empfehlen die BVR-Experten eine etwas stärkere Beimischung von Wertpapieren. Hierfür kommen beispielsweise Aktien oder auch Unternehmensanleihen infrage. Bei Aktien sollten dabei dividendenstarke Titel bevorzugt werden. Wer sich für Unternehmensanleihen interessiert, sollte sich das betreffende Unternehmen ebenfalls genauer ansehen: Denn die auf den ersten Blick oft recht attraktive Verzinsung dieser Papiere nützt dem Anleger nur dann etwas, wenn die Bonität des Unternehmens auch ausreicht, den Anleihenkäufern Zins und Tilgung planmäßig zu zahlen.