Home » News

Stiftung Warentest warnt vor unseriösen Kapitalanlagen

Unseriöse GeldanlageImmer wieder sorgen Skandale und Affären um unseriöse Anbieter von Kapitalanlagen für Negativschlagzeilen in der Presse – und oft auch für hohe Verluste bei den betroffenen Anlegern. Die Stiftung Warentest hat eine Liste mit auffälligen Unternehmen erstellt.
Eines der jüngsten Beispiele ist die Firmengruppe S&K, bei der Tausende Anleger kürzlich feststellen mussten, dass sie mit ihren Einlagen vermutlich kein rentables Investment getätigt, sondern offenbar in erster Linie den aufwendigen Lebensstil der S&K-Gründer finanziert hatten. Die endgültige Klärung und juristische Aufarbeitung steht in diesem Fall noch aus, doch wie viel die Anleger von ihrem Geld jemals wieder zurückbekommen werden, ist fraglich. Um möglichst vielen Anlegern zu ersparen, dass sie sich eines Tages in einer solchen Situation wiederfinden, hat die Stiftung Warentest im Mai 2013 eine “Warnliste Geldanlage” erstellt, in der sie all jene Firmen und Produkte auflistet, die in den letzten beiden Jahren – also von Mai 2011 bis Mai 2013 – von Finanztest negativ bewertet worden sind.

Kein Anspruch auf Vollständigkeit

Anleger, die aktuell auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten sind, können sich anhand dieser 17 Seiten langen Liste vor allem eine Frage beantworten: Ist ein ihnen vorliegendes Angebot oder ein Unternehmen, mit dessen Beratern sie möglicherweise bereits in Kontakt stehen, den Testern von Finanztest in der jüngsten Vergangenheit aus irgendeinem Grund negativ aufgefallen? Allerdings gilt im Umkehrschluss nicht, dass Produkte und Unternehmen, die nicht auf der Liste stehen, über jeden Zweifel erhaben wären. Denn der Markt für Kapitalanlageprodukte ist ständig in Bewegung, und laufend werden neue Produkte in den Vertrieb gebracht. Die aktuelle Liste der “schwarzen Schafe” kann daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Eine detaillierte Lektüre lohnt aber dennoch, weil viele typische Produktmängel und Beratungsfehler durchaus häufig wiederkehren.

Gut vorbereitet ins Beratungsgespräch

Wer die Liste gründlich gelesen hat und gut über typische Probleme bei unseriösen Anlagen und Anbietern informiert ist, kann mit diesem Wissen fundiertere Fragen an seinen Berater stellen. Zeichnen sich Parallelen zu einem der in der Liste erwähnten Fälle ab, sollten Anleger kritisch nachhaken und im Zweifelsfall lieber von einer Anlage absehen. Zu den typischen, besonders häufig anzutreffenden Problemen zählt die unzutreffende Aufklärung über die mit einer Anlage verbundenen Risiken in den Vertriebsunterlagen, im Prospekt und/oder im Beratungsgespräch. Das kann spezifische Risiken eines konkreten Investitionsobjekts ebenso betreffen wie die Darstellung der charakteristischen Merkmale bestimmter Anlageprodukte. So bewarb beispielsweise der Windkraftkonzern Prokon die von ihm angebotenen Genussrechte als sichere Anlage und stellte einseitig nur deren Vorteile dar, ohne angemessen auf die damit verbundenen erheblichen Risiken hinzuweisen. Auch überhöhte Preise und Gebühren sind eine häufige Ursache dafür, dass Anleger keine angemessene Rendite erzielen, sondern stattdessen womöglich Verluste hinnehmen müssen. Insbesondere bei den sogenannten Schrottimmobilien wurden oft Preise gezahlt, die zu realistischen Ertragserwartungen in keinem Verhältnis stehen.

Auf typische Warnsignale achten

Nach der Lektüre der “Warnliste Geldanlage” sollten Anleger zumindest für einige gravierende Probleme und Fallstricke bei der Kapitalanlage sensibilisiert sein. Darüber hinaus gibt es jedoch einige typische Warnsignale, die Anleger zumindest hellhörig machen sollten – auch wenn es sich um Produkte oder Unternehmen handelt, die nicht in der Warnliste erwähnt sind. So ist generell Skepsis geboten, wenn mit überdurchschnittlichen Ertragschancen geworben wird, gleichzeitig aber von einer hohen Sicherheit und besonders geringen Risiken die Rede ist. Denn höhere Chancen sind am Kapitalmarkt nun einmal auch mit höheren Risiken verbunden, und umgekehrt lassen sich mit weniger riskanten Anlagen normalerweise auch weniger hohe Renditen erzielen. Ein weiteres Warnsignal ist ein betont auffälliges Auftreten von Finanzberatern und den entsprechenden Unternehmen. Wenn teure Sportwagen, Luxusuhren und ähnliche Accessoires von sehr jungen Beratern eines möglicherweise erst seit Kurzem existierenden Unternehmens zur Schau gestellt werden, dann darf oftmals zu Recht bezweifelt werden, ob sich das Unternehmen bei seinen Geschäften von Prinzipien wie dem hanseatischen Understatement und der kaufmännischen Vorsicht leiten lässt. Auch dann gilt es, lieber dem Bauchgefühl zu vertrauen und vorsichtshalber nichts zu unterschreiben, was sich später als Verlust bringendes Fehlinvestment erweisen könnte.

Weitere Informationen